Jede Krise bringt schöne Aufgaben mit sich

Vorsehung

Aus christlicher Sicht sind diese Welt und dieses Leben nicht alles. Es wird eine Welt kommen, in der Gott den Erlösten alle Tränen abwischen wird, und es wird kein Leid und keinen Mangel geben (vgl. Offb 7,13–17 und Offb 21,3–8). Doch das jetzige Leben ist dramatischer. Hier gibt es Güter – d.h. wertvolle Dinge und Ereignisse –, die es dort nicht mehr geben wird: Gott in Anfechtungen treu bleiben; Leid und Verfolgung ohne Bitterkeit ertragen; in den vielen anstrengenden Aufgaben durchhalten; Versuchungen widerstehen; mühsame Herausforderungen annehmen; tapfer gegen das Böse und für das Gute kämpfen. Allgemein gesagt, entstehen diese für unser diesseitiges Leben typischen dramatischen Güter, indem ein Mensch seine Willensfreiheit gut ausnutzt. Indem er fleißig ist, Verantwortung übernimmt, sich anstrengt, durchhält, treu bleibt und kämpft. Menschen, die es ruhig angehen lassen, die hauptsächlich Spaß haben und nie ernst sein wollen, die allem Streit aus dem Wege gehen oder „welchen der Bauch ihr Gott ist“ (Phil 3,19), verfehlen zumindest einen wesentlichen Teil des Sinns ihres Lebens. Das Angenehme und der Spaß gehören auch zu den Gütern dieses Lebens, aber es sind jene anderen, dramatischen Güter, die das Besondere an diesem Leben sind und die deshalb zu einem gelungenen und zu einem heiligen Leben dazugehören. Johann Scheffler (1624–1677) hatte nicht Unrecht, als er in einen Liedvers schrieb: „Wer nicht will streiten, trägt die Kron des ewgen Lebens nicht davon.“ Christen sollte eigentlich besonders klar sein, dass die dramatischen Güter, gerade weil sie mühsam sind und nicht in Genuss, Spaß, Harmonie und Wohlfühlen bestehen, besonders wertvoll sind; so wie der Apostel Petrus schreibt, dass eines Menschen Glaube, der sich in Anfechtungen bewährt hat, „viel köstlicher“ ist „als das vergängliche Gold, das durch Feuer bewährt wird“ und „Gott zu Lobe, Preis und Ehre“ gereicht (1 Petr 1,7).

Die dramatischen Güter und überhaupt die guten Handlungen sind nicht die „εργα νομου“ (erga nomou), die Werke des Gesetzes, von denen der Apostel Paulus in Galater 2,16 betont, dass der Mensch durch sie nicht gerecht wird. Die „εργα νομου“ sind das Befolgen der von den Pharisäern gelehrten jüdischen Gesetze, also z.B. Vorschriften dazu, wie viele Schritte man am Sabbat tun darf. Gute Werke hingegen sind ganz allgemein die Handlungen oder Verhaltensweisen, die gut sind oder Gutes hervorbringen. Dass es keinen Glauben und keine Erlösung ohne diese geben kann, hat auch Luther in seiner Einleitung zum Römerbrief betont, um Missverständnisse des „Sola fide“ (=allein durch Glauben) zu verhindern:

„O es ist ein lebendig, geschäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, daß es unmöglich ist, daß er nicht ohn Unterlaß Gutes wirken sollte. Er fragt auch nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan, und er ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werk tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappt und sieht um sich nach dem Glauben und guten Werken und weiß weder was Glaube noch was gute Werke sind, wäscht und schwatzt doch viel Worte vom Glauben und von guten Werken. [… Es ist] unmöglich, Werk und Glauben zu scheiden, ja so unmöglich, wie Brennen und Leuchten vom Feuer nicht geschieden werden kann.“

Christen sehen ihr diesseitiges Leben nicht so, dass sie in diesem Leben nur die Aufgabe hätten, das Evangelium zu verbreiten, und auch nicht so, dass die Zukunft in allem festgelegt wäre (diese Lehre nennt man „Fatalismus“). Sondern sie suchen in jeder Situation die Aufgaben und Chancen, die Gott vorgesehen hat. Dazu gehören nicht zuletzt die genannten Herausforderungen rund um das (geistliche) Kämpfen. Warum würde Gott sonst all das Böse zulassen? Wir müssen uns fragen: Welche Aufgaben und welche Chancen gibt uns Gott in dieser Krise? Auf diese Weise sollen Christen das Gute in einer Krise sehen.

Bevor wir erwägen, welche Aufgaben und Chancen Gott den Menschen und den Christen insbesondere gibt, eine Anmerkung zum Fatalismus.

Sollen wir etwas tun, oder ist alles festgelegt?

Das 13. Kapitel der Offenbarung des Johannes zeichnet das Bild einer antichristlichen Weltregierung. Dort lässt Gott es zu, dass der erste auftretende Drache „Krieg gegen die Heiligen“ (gemeint sind die Christen) führt und Macht über alle Völker gewinnt (V. 7). Der zweite Drache verführt die Menschen dazu, das erste Tier anzubeten, und bringt „ein Malzeichen“ (V. 16) hervor, das zum Kaufen und zum Verkaufen nötig ist. Diejenigen, welche das Malzeichen nicht tragen, können nichts mehr kaufen und nichts mehr verkaufen.

Eine mögliche Reaktion von Christen auf die Coronakrise wäre zu denken, dass nun die in Offenbarung 13 angekündigte antichristliche Weltregierung komme und dass Christen dies nicht aufhalten könnten und auch nicht versuchen sollten, es zu tun. Doch diese fatalistische Deutung wäre falsch. Der Text sagt nicht, dass so eine Weltregierung kommen wird, dass es also so feststehe, dass sie kommen wird, wie es feststeht, dass Christus wiederkommen wird. Sondern wie die anderen Szenen der Offenbarung wird er eingeleitet mit „Und ich sah“. Der Text warnt die Christen vor so einer Entwicklung. Daher sagt Vers 9: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Vielleicht steht es fest, dass so etwas kommen wird, aber der Text sagt es nicht, und wir wissen es nicht. Ich habe keine Meinung dazu. Selbst wenn es feststünde, dass eine antichristliche Weltregierung kommen wird, könnte der Zeitpunkt offen sein. Es könnte aber auch sein, dass die Gefahr besteht, dass eine antichristliche Weltregierung mit jenem Malzeichen komme, dass Gott den Menschen aber die Möglichkeit gibt, dies abzuwenden – so wie die Buße der Leute zu Ninive den durch Jona angekündigten Untergang abwendet.

Ferner fordert das Neue Testament die Christen laufend dazu auf, Gutes zu tun und gegen das Böse zu kämpfen. Jesu Wort „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“ (Joh 15,5) ist, wenn die Bibel als Gottes Wort angenommen wird, an Christen zu aller Zeit gerichtet. Es meint die guten Werke und ihre Wirkungen in ihrer ganzen Vielfalt. Ebenso: „Ihr seid das Licht der Welt. […] Also lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14f) Speziell auf das Kämpfen gegen das Böse geht der Apostel Paulus in Epheser 6 ein:

Ziehet an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten, gegen die Mächtigen, gegen die in der Finsternis dieser Welt Herrschenden, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in den himmlischen Gefilden. Deshalb ergreifet die Waffenrüstung Gottes, auf dass ihr an dem bösen Tage Widerstand leisten und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. (Eph 6,11–13, Übs. dvw)

Das ist ein Auftrag Gottes für die Christen. Es wäre ganz falsch, nur den Gang der Dinge zu betrachten und darüber zu spekulieren, welche Prophetie inzwischen erfüllt ist und wie weit wir schon in der Heilsgeschichte sind. Die Prophetie und die Offenbarung ist den Christen nicht gegeben, damit sie in die Zukunft schauen können und, mit verschränkten Armen das Geschehen betrachtend, sich mit dem Gedanken trösten, dass das Ende und der Ablauf der Geschichte feststehe. Es ist zwar wahr und tröstlich, dass Gott allmächtig ist und dass das Wiederkommen Christi und die Bestrafung des Teufels feststeht, aber bis dahin ist es Gottes Auftrag an die Christen, wachsam zu sein und zu kämpfen. Und am besten sollten wir dies nicht nur als Auftrag, sondern als Chance wahrnehmen. Das Kämpfen gegen das Böse und die anderen Aufgaben, die eine Krise mit sich bringt, sind besonders wertvoll. So gesehen ist es ein Privileg, in so einer Zeit zu leben. Daran sollten Christen einander nicht nur durch Predigten erinnern, sondern auch die Kunst haben, die Christen auf vielfältige Weise verwenden, um uns das sinnfällig zu machen. Eine Darstellung eines Kampfes mit einem Drachen, Motetten, wie Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdi sie uns hinterlassen haben, oder eine Geschichte wie C. S. Lewis‘ Die Chroniken von Narnia helfen uns, die dramatische Seite dieser Welt und unseres Lebens besser wahrzunehmen. Noch mehr sollte Christen das Beispiel vieler verfolgter Christen in anderen Ländern und in früheren Zeiten ermutigen. – Doch nun zum Coronavirus.

Die Wahrheit über das Neue Coronavirus

Was Christen in der Coronakrise tun sollten, hängt davon ab, was die Wahrheit über das Neue Coronavirus (NCoV) ist. Diese herauszufinden, ist nicht ganz einfach, aber dennoch auch für den Laien möglich. Die Frage „Wie gefährlich ist das NCoV?“ führt zur Frage „Was bewirkt das Coronavirus?“. Die Antwort auf solche Fragen findet man nicht durch einfaches Hinsehen, denn man kann kausale Zusammenhänge meist nicht sehen. Man nimmt nur das eine Ereignis und das andere Ereignis wahr, aber nicht, dass jenes die Ursache von diesem war. Daher gehen Menschen hier oft in die Irre. Sie glauben, dass das Amulett den Unfall verhindert hat, obwohl das in Wahrheit einfach Glück war. Sie glauben, dass der Acker dieses Jahr nichts getragen hat, weil der Nachbar ihn verhext hat, obwohl in Wahrheit die Ursache war, dass dem Boden bestimmte Nährstoffe fehlten. Sie glauben, dass die Krankheit durch das Mittel x geheilt wurde, obwohl dieses nichts zur Heilung beigetragen hat. Andererseits kann man oft durch sorgfältiges Hinsehen und Nachdenken sehr wohl kausale Zusammenhänge erkennen.

Im vorliegenden Fall bin ich nach Recherchen und sich auf meine philosophische Forschung über Kausalität stützenden Überlegungen, die ich in einem langem Aufsatz und einem kürzeren Artikel dargelegt habe, zu folgendem Schluss gelangt, den ich „NBG“ (nicht besonders gefährlich) nenne:

(NBG) Das Neue Coronavirus ist nicht besonders gefährlich, und selbst wenn es gefährlich wäre, wären der Lockdown und das Social Distancing nicht die richtigen Maßnahmen, um die Todeszahlen zu verringern.

Meinungsverschiedenheiten hierüber sollten unter Christen nicht zu Spaltung führen. Aber es ist sehr wichtig, dass Christen gründlich nach der Wahrheit über das NCoV suchen. Die meisten Einwände gegen NBG habe ich von Menschen erhalten, welche die Angelegenheit selbst kaum untersucht haben, sondern sich einfach von der herrschenden Meinung treiben lassen und denken: „Es werden doch nicht so viele Regierungen lügen“ oder „Das ist ja eine abstruse Verschwörungstheorie“. In meinem vorigen Beitrag zu kirche-und-corona.de habe ich betont, dass es nicht richtig wäre, dem Staat Glauben zu schenken, und dass besonders das Fernsehen die Wahrheitsfindung erschwert. Ich empfehle, in den auf www.von-wachter.de/cov/ gesammelten Stellungnahmen Erhellendes zu suchen. Das gerade erschienene Buch Corona Fehlalarm? von Sucharit Bhakdi (Prof. Dr. med., Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie) und Karina Reiss (Prof. Dr. rer. nat., Zellbiologin) bietet fundierte naturwissenschaftliche Informationen. In den Zitaten von 250 Experten zur Coronakrise kann man sich davon überzeugen, dass viele Experten NBG teilen, auch wenn der rationale Mensch sich seine Meinungen nicht bildet, indem er sich auf Autoritäten verlässt oder indem er der Mehrheit der Experten folgt, sondern indem er selbst über die ihm verfügbaren Daten nachdenkt. Vor allem ist für Wahrheitsfindung erstens die Entscheidung notwendig, wirklich die Wahrheit wissen und suchen zu wollen, und zweitens das Nachdenken anhand der Frage „Was spricht wirklich dafür, dass das NCoV schwere Symptome verursacht?“. Dabei muss man versuchen, das Gewicht des betreffenden Indizes so wahrzunehmen, wie man es wahrnehmen kann, dass Müllers Fingerabdruck auf der Tatwaffe dafür spricht, dass Müller der Mörder war.

NBG lässt sich empirisch überprüfen. Wenn es Todesfälle gibt, die durch NCoV infiziert sind und bei denen keine oder nur schwache andere Todesteilursachen vorliegen (insbesondere Vorerkrankungen), dann ist NBG falsch. Die von den staatlichen Stellen vorgetragenen Zahlen der „Coronatoten“ sind hingegen irrelevant, weil jeder Todesfall, bei dem der NCoV-Test positiv ausfällt, zu den Coronatoten gezählt wird, auch wenn die Person z.B. durch einen Herzinfarkt gestorben ist.

Im Folgenden setze ich also NBG voraus. Wer zu einem anderen Ergebnis kommt, wird die Coronakrise als ein natürliches, d.h. durch die Natur verursachtes Übel ansehen, vergleichbar mit einem Erdbeben oder einem Vulkanausbruch. Gemäß NBG ist die Coronakrise hingegen ein moralisches, d.h. durch menschliche Handlungen verursachtes Übel.

Wenn NBG wahr und erkennbar ist, dann ist der Lockdown ein Verbrechen. Der verursachte Schaden ist furchtbar. Kleinen und großen Unternehmern wurden riesige Verluste zugefügt. Viele Unternehmen wurden samt dem, was sie für uns getan haben, zerstört. Alte Menschen durften ihre Kinder und Enkel nicht mehr sehen und mussten sogar ohne deren Nähe sterben. Gottesdienste, Konzerte, Tagungen und alle möglichen anderen Veranstaltungen wurden verboten. Kinder wurden gezwungen, im Pausenhof voneinander Abstand zu halten. Menschen brauchen Nähe, aber durch den Lockdown wurden viele dazu gebracht, den Mitmenschen als Gefahr anzusehen. In einem nie dagewesenen Umfang wurde es den Menschen unmöglich gemacht, von Gott in der Schöpfung angelegte Möglichkeiten zu verwirklichen.

Dass der Lockdown ein Verbrechen war, ergibt sich nicht nur aus NBG, sondern auch aus der schwächeren Prämisse, dass der Lockdown nicht sinnvoll war. Selbst wenn das NCoV gefährlich war, war der Lockdown nicht sinnvoll, sondern man hätte den alten, kranken Menschen raten können, sich von Menschenansammlungen in kleinen geschlossenen Räumen fernzuhalten, und vor allem hätte man ihnen helfen können, ihr Immunsystem zu stärken. Die anderen Menschen hätten ungestört ihren Geschäften nachgehen können. Zudem wäre das Virus schneller ausgerottet worden. Darauf haben viele von Anfang an hingewiesen, z.B. Dr. Knut Wittkowski. Dass die Politik diesen Stimmen kein Gehör geschenkt hat, bestätigt, dass sie den Lockdown wollte, oder von Mächten beeinflusst wurde, die den Lockdown wollten.

Aufklären

Drei Aufgaben, welche die Coronakrise stellt, möchte ich nun beschreiben: 1. Aufklären, 2. Beten, 3. Gottesdienste feiern.

Die erste sich stellende Aufgabe ist es, die Wahrheit über das NCoV ans Licht zu bringen und zu verbreiten. Obwohl es sich als schwierig oder unmöglich erweist, die Politik durch Argumente vom Lockdown abzubringen, erhöht die Verbreitung der Wahrheit über das NCoV den Druck auf die Politik und auf die regierungsnahen Medien. Es ist ein Grund zur Freude, dass gerade in Deutschland viele Wissenschaftler den Mut hatten, sich kritisch zum Lockdown zu äußern, und dass viele Bürger sich selbständig eine Meinung über das NCoV gebildet haben und ihre Meinung und ihren Willen kundtun, sei es durch Aufklärung im Bekanntenkreis, durch das Internet oder durch friedliche Demonstrationen. Auch dass viele vor Gericht geklagt haben, ist erfreulich.

Es ist auch eine wertvolle Aufgabe zu untersuchen, welche Motive wen zur Veranlassung des Lockdowns bewegt haben. Die Polemik gegen „Verschwörungstheorien“ will das verhindern, aber warum soll man denn nicht untersuchen, wer wie aus welchem Motiv zum Lockdown beigetragen hat? In der Diskussion darüber, wer für den Lockdown verantwortlich ist, werden natürlich auch falsche Hypothesen aufkommen, doch das gehört zur Wahrheitssuche dazu.

Verschiedene am Lockdown mitwirkende Personen und Institutionen werden verschiedene Motive haben, und eine Person kann mehrere Motive gleichzeitig haben. Es könnte sein, dass einige den Lockdown veranlasst haben, um der Errichtung einer Weltregierung näher zu kommen, dass aber kein einziger deutscher Politiker dieses Ziel verfolgte, sondern dass diese durch Druck zum Verordnen des Lockdown bewegt wurden. Solcher Druck kann auf verschiedene Weisen entstehen: durch sanfte Maßnahmen wie Gruppendruck, negative Berichte in den Medien und Nachteile bzw. Vorteile für die Karriere, bis hin zu Erpressung und Bestechung. Ferner wirkt auf Politiker, Beamte und auf staatliche Institutionen immer das Bestreben, das Budget zu vergrößern und die Macht und die Kontrolle über möglichst viele Menschen und möglichst viele Lebensbereiche zu vermehren. In der Coronakrise konnte man beobachten, dass auch den europäischen Politikern und Beamten und den staatlichen Institutionen die Lust am Herrschen und an der Kontrolle nicht fremd ist. Der Staat erkennt keine Grenzen seiner Macht an. Er befiehlt, was er will, und was er befiehlt, nennt er, die Sprache der Moral missbrauchend, „Pflicht“. Der Staat erkennt kein über ihm stehendes Recht, keine Moral und keinen Gott an. So einem Staat ist alles zuzutrauen.

Um die wirkenden Motive zu finden, muss man auch fragen: Wem nützt der Lockdown, oder was für ein Trieb oder Neigung könnte jemanden einen Lockdown anstreben lassen? Sicherlich gehören Macht und Geld zu den möglichen Motiven. Man könnte denken, dass keiner ein Interesse daran hat, der Wirtschaft zu schaden, doch dagegen spricht schon, dass die vielen kommunistischen Revolutionen, die es in den letzten hundert Jahren gab, absichtlich die Wirtschaft des betreffenden Landes zerstört haben. Das Motiv dafür ist zweiteilig: Erstens der Hass auf das Gute, auf die Schöpfung und auf Gott; zweitens das Streben nach Macht, das sich in der Errichtung einer Parteidiktatur äußert. 

Wenn man in dieser Welt Handlungen und Ereignisse verstehen und ihre Täter und Motive entdecken möchte, darf man nicht voraussetzen, dass alle Menschen Wohlstand, Gesundheit und Wohlergehen aller Menschen anstreben. Man darf nicht voraussetzen, dass alle Menschen das Gute anstreben. Vielmehr hat jeder Mensch komplexe Neigungen, die ihn oft in Versuchungen führen. Alle Menschen tun Böses. Das geschieht, wenn sie Neigungen nachgehen, statt nachzusinnen, was zu tun gut und ihre Pflicht wäre, und aus den so entstehenden moralischen Überzeugungen zu handeln. Manche Menschen und manche Organisationen tun so Böses, dass manche andere Menschen sich das schwer vorstellen können.

Das Christentum betont, wie stark und wie verbreitet die Sünde und das Böse überhaupt ist. Deshalb sind Christen eigentlich am wenigsten der Versuchung ausgesetzt, das Böse nicht wahrhaben zu wollen und naiv zu sein. Christen sollten mit der Macht der Sünde in sich und in dieser Welt rechnen, und sie sollten dagegen kämpfen. Sie sollten erforschen, welche Formen und welche Strategien die Sünde und der Teufel wählen. So sollten sie auch jetzt erforschen, wie gefährlich das NCoV ist und wer aus welchen Motiven am Lockdown mitgewirkt hat. Sie sollten ihre Ergebnisse und ihre Argumente auf alle möglichen Weisen verbreiten. Das Böse wirkt gerne im Geheimen. Deshalb werden derzeit alle von der Darstellung der Regierung abweichenden Meinungen als „Verschwörungstheorien“ abgetan. Wenn das Böse mit dem Licht der Wahrheit bestrahlt wird, verliert es Kraft. Man kann jetzt die Verantwortlichen nicht durch Argumente und gutes Zureden vom Lockdown abbringen, aber je mehr Wahrheit ans Licht kommt und je mehr davon wissen oder beginnen, den Fernseher auszuschalten und selbständig zu denken und zu forschen, desto schwerer wird es für die Herrscher der Welt, ihre bösen Ziele zu erreichen.

Eine wertvolle aufklärende Stellungnahme ist der Aufruf „Veritas liberabit vos“ von katholischen Verfassern, zu denen auch Kardinal Gerhard Müller gehört. Der Aufruf wird von der Mehrheit der katholischen Hierarchie heftig kritisiert.

Gerade in Deutschland besteht ein enormer Druck, bestimmte Dinge nicht zu denken oder zu sagen, obwohl man sie für richtig hält. Der Korridor der erlaubten Meinungen ist eng geworden. Er wird nicht nur durch Antidiskriminierungsgesetze erzeugt, sondern durch psychischen Druck und durch die drohende soziale Ächtung. In der Coronakrise ist noch erlaubt, die staatlichen Maßnahmen als „unverhältnismäßig“ anzusehen, aber wer darüber hinausgeht, spürt eine psychologische Strafe, die so zielführend ist wie der kleine Elektroschlag, den eine Kuh bekommt, wenn sie den Zaun berührt. Geht man dennoch weiter, folgen weitere Strafen: So nahmen die Läden die Produkte des erfolgreichen Vegankochs Attila Hildmann aus ihren Regalen, weil dieser deutlich die Regierung kritisiert und „Verschwörungstheorien“ verbreitet, und dem Biolebensmittelherstellers Rapunzel droht ähnliches, weil er mit Attila Hildmann zusammenarbeitete und weil der Firmenchef Joseph Wilhelm die Mundschutzmasken als „die höchste Form von Demütigung“ bezeichnet hat. Mancher Leser mag jetzt denken: „Attila Hildmann ist aber extrem / polemisch / zu aggressiv / teilweise falsch; was er macht, darf man nicht machen, von dem muss man sich distanzieren.“ Genau durch solche Denkmuster wirkt der Meinungsdruck. Solche Gedanken halten einen davon ab, freimütig und mutig die Wahrheit zu suchen und zu sagen. Sie führen einen dazu, den Splitter in Attila Hildmanns Auge, aber nicht den Balken im Auge des Staates und seiner Mitarbeiter zu sehen.

Bei Professoren, die sich abweichend von der Regierungsdoktrin geäußert haben, weiß ich von einem Fall, in dem die Universitätsleitung den Kollegen aufgefordert hat, seine Stellungnahme zurückzuziehen, und von einem anderen Fall, in dem die Universitätsleitung sich beeilt hat, öffentlich zu erklären, dass die Meinungsäußerung jenes Professors keine Meinungsäußerung der Universität sei – als ob das nicht selbstverständlich wäre. Als Professor weiß man da, dass, sollte man sich weiterhin äußern, es bis zur Kündigung nicht mehr weit ist. Ein Kollege schrieb mir persönlich, er würde wahrscheinlich seine Stelle verlieren, wenn er die Schlussfolgerungen seiner Untersuchungen zur Coronakrise veröffentlichte.

Die Wahrheit und die Wissenschaft haben es unter solchen Umständen schwer. Es ist jetzt keine gute Zeit für die Wissenschaft und überhaupt für die Kultur. Aber gerade die Coronakrise ist eine gute Zeit, um Wahrheitsliebe, Mut und Tapferkeit zu beweisen, durch freimütiges Denken, Forschen, Reden und Handeln. Wenn ein Mensch dies verwirklicht, ist das etwas Wertvolles. Es ist eines der dramatischen Güter dieser Welt; eines, das nicht in Genuss, Spaß, Harmonie oder Wohlfühlen besteht; eines der Güter, um derentwillen Gott diese Welt erschaffen hat und erhält und die es in der kommenden Welt nicht mehr geben wird. Es ist wunderbar, wie viele Menschen jetzt mutig und friedlich für die Wahrheit und für Recht und Freiheit und gegen das Böse kämpfen. Nicht nur verwegene Typen äußern sich, sondern viele von Hause aus mit weniger Wagemut ausgestattete Menschen kämpfen dafür, die Wahrheit über die Coronakrise ans Licht zu bringen. Auch viele Wissenschaftler haben sich geäußert: Blauerbote.com hat die (bereits oben erwähnte) Liste von Zitaten von 250 Experten zur Coronakrise erstellt. In den USA haben 600 Ärzte einen Brief an Präsident Donald Trump unterzeichnet, in dem sie auf die furchtbaren Folgen des Lockdown hinweisen und dessen sofortige Aufhebung fordern.

Es ist klug und legitim, manches Gute nicht zu tun, um unangenehme Folgen zu verhindern. Aber nur, wenn diese Zurückhaltung auf einen bestimmten Bereich und auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt ist; z.B. wenn man sich zu einem bestimmten Thema nicht äußert, um die gute Wirkung seiner Haupttätigkeit nicht zu mindern oder um seine Stelle nicht zu verlieren. Es ist aber schlimm für einen Menschen, wenn er den Meinungsdruck so auf sich wirken lässt, dass er in großen Bereichen seines Lebens nicht sagt oder tut, was er für wahr oder für gut hält. So ein Mensch versäumt nichtnur, freimütig das zu sagen, was er für wahr und gut hält, sondern er wird auch versäumen, die Wahrheit gründlich zu suchen. Sokrates würde sagen, dass ein Mensch dadurch Schaden an seiner Seele nimmt. Der Apostel Petrus sagte dazu, an den Hohenpriester gerichtet: „Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“ (Apg 5,29)

Beten

Ein wesentliches Merkmal des christlichen Glaubens ist es, dass Christen zu Gott, dem Schöpfer, beten. Das Neue Testament und Jesus selbst laden sie dazu ein und tragen ihnen auf, Gott zu danken und zu loben und ihn für sich und für andere zu bitten, also Gott zu bitten, bestimmte gute Dinge zu bewirken oder auf irgendeine Weise zu fördern. Gott will gebeten sein.

Auch seine Beschreibung des Kampfes gegen die Herrscher dieser Welt mit Hilfe der Waffenrüstung Gottes schließt der Apostel Paulus mit der Aufforderung zum Gebet ab:

Nehmet auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist. Dabei betet zu jeder Zeit mit allem Gebet und Flehen im Geiste, und wacht dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen […] (Eph 6,17f.)

Christen müssen jetzt inbrünstig und ständig beten. Zum einen, dass sie selbst wachsam bleiben, nicht vom Glauben und von der rechten Lehre abfallen und gut kämpfen. Dieses Gebet bittet nicht nur Gott, dem Beter dabei zu helfen, sondern das Beten selbst bewirkt auch schon das Erbetene. Im Vollzug des Gebetes wird der Glaube und der Wille, Gott treu zu bleiben, gestärkt und die Versuchungen werden geschwächt.

Zum zweiten sollen die Christen für die Leidenden beten. Für die Einsamen, die Alten, die durch Social Distancing verstörten Kinder, für die Unternehmer.

Und drittens müssen Christen jetzt beten, dass die bösen Vorhaben scheitern mögen. Es tobt ein Kampf zwischen Gut und Böse. Die Herrschenden und „die geistigen Mächte der Bosheit“ sind stark, aber sie sind übermütig geworden und zu weit gegangen, denn immer mehr Menschen durchschauen ihre Bosheit und ihre Ränke. Die Herrscher können viel tun, um die Wahrheit geheimzuhalten, aber gerade durch das Internet können die Menschen viel Wahrheit ans Licht bringen, und dann scheitern die Vorhaben der Herrschenden. Die Wirkung des Gebetes geht darüber noch hinaus. Der allmächtige Gott lässt sich durch das Gebet dazu bewegen, den bösen Menschen und den bösen Geistern Einhalt zu gebieten und ihre Vorhaben scheitern zu lassen.

Gottesdienste feiern

Eine schlimme Folge des Lockdowns ist, dass alle Veranstaltungen und damit auch Gottesdienste verboten wurden. Es ist eine Katastrophe, dass viele Christen das Osterfest 2020 ohne echten Gottesdienst, ohne Versammlung verbracht haben. Online-Gottesdienste sind gut, aber sie sind kein vollwertiger Ersatz für Versammlungen. Der Austausch von Worten und Gedanken, wie er bei Online-Gottesdiensten möglich ist, ist wunderbar und vielleicht das Wichtigste am Gottesdienst, aber bei weitem nicht alles, worauf es bei Gottesdiensten ankommt. Nicht das einzige Wertvolle an Gottesdiensten. Wir haben ja unseren Körper nicht ohne Grund. Gott hätte nur körperlose Wesen schaffen können, aber er hat auch ein Universum, Tiere und Menschen, d.h. Personen mit einer Seele und einem Körper einer bestimmten Art erschaffen. Ein Mensch hat durch seinen Körper eine Position im Raum. Wenn Menschen versammelt sind, sind sich nicht nur die Körper nah, sondern auch die Seelen und die ganzen Menschen. Wenn sie dann etwas zusammen tun, ist das etwas anderes, als wenn sie nur telefonisch miteinander verbunden sind. Die räumlichen und die physischen Beziehungen zwischen Menschen, z.B. die das Licht und die Augen betreffenden, sind verbunden mit seelischen Tätigkeiten. Wenn z.B. Menschen einander in die Augen blicken, geschieht deshalb mehr als nur Lichtreflexionen, Netzhautreizung und bestimmte Gedanken im Geiste der Menschen. In einem Gottesdienst sind Menschen versammelt, sie sind einander nah, sie beten Gott zusammen an, sie tun zusammen Buße, sie bitten Gott im gemeinsamen Gebet für sich und für andere, sie hören zusammen auf Gottes Wort, sie lehren und ermahnen einander, sie singen zusammen, sie feiern zusammen Abendmahl. Das ist alles unersetzlich. Es wirkt auf die sichtbare und die unsichtbare Welt. Wenn, wie in der Coronakrise, eine Zeitlang in weiten Teilen der Welt keine Gottesdienste mehr gefeiert werden, ist das ein Ereignis kosmischen Ausmaßes. Darüber freuen sich der Teufel und die Feinde des Christentums.

Christen haben die Pflicht und das Verlangen, sich zu versammeln und Gottesdienste zu feiern. Angesichts des Corona-Lockdowns ist die Frage nicht, ob sie gegen das Versammlungsverbot verstoßen dürfen, sondern die Frage ist, ob sie Gottesdienste ausfallen lassen dürfen. Gegen das Versammlungsverbot darf man schon deshalb verstoßen, weil menschliche Vorschriften nur unter ganz bestimmten Bedingungen Pflichten erzeugen. Gehorsamspflichten unterliegen engen Bedingungen. Eine Vorschrift oder ein Zwang sind noch lange keine Pflicht, so oft der Befehlende es auch eine „Pflicht“ nennt. Der Begriff der Pflicht ist ein moralischer, während „Vorschrift“ und „Zwang“ einfach bestimmte Handlungen bezeichnen. Eine Mutter kann es durch einen Befehl ihrem 10-jährigen Kind zur Pflicht machen, die Geschirrspülmaschine auszuräumen, aber sie kann es ihm nicht zur Pflicht machen, die Handtasche der Nachbarin zu stehlen, und sie kann es ihrem 40-jährigen Sohn nicht durch einen Befehl zur Pflicht machen, ihre Geschirrspülmaschine auszuräumen. Ähnlich bringt eine Vorschrift eines Herrschers nur unter ganz bestimmten Bedingungen eine Pflicht hervor. Wenn, wie es m.E. erkennbar ist, die vorgegebenen Gründe für das Versammlungsverbot fadenscheinig sind und das Versammlungsverbot keinen Nutzen und viel Schaden bringt, dann ist es nichtig. Es besteht keine moralische Pflicht, sich daran zu halten. Das zu bestreiten, würde zum Rechtspositivismus oder Absolutismus führen, über dessen Falschheit sich Christen klar sein sollten. In Bezug auf Gottesdienste ist dies noch eindeutiger als in Bezug auf andere Veranstaltungen, weil wir eine von Gott gegebene Pflicht haben, Gottesdienste zu feiern.

In anderen Teilen der Erde und zu anderen Zeiten haben Christen große Opfer und Lebensgefahr auf sich genommen, um trotz staatlicher Verbote Gottesdienste zu feiern. Das ist nicht nur erlaubt, sondern bewundernswert. Dürfen Christen nun in der Coronakrise Gottesdienste ausfallen lassen? Mir scheint, dass unter Umständen eine Gemeinde in der Coronakrise Gottesdienste ausfallen lassen darf, um die Geldbußen oder andere staatliche Strafen zu vermeiden. Auch wenn viele Nachbarn tatsächlich glauben, dass die Versammlung wegen des Coronavirus eine Gefahr für ihre Gesundheit darstellt, kann das ein Grund dafür sein, einen Gottesdienst ausfallen zu lassen. Aber dann müssen die Gemeinden alles tun, um diese Folgen zu verhindern, z.B. durch Klagen gegen das Versammlungsverbot oder gegen das Bußgeld und durch Aufklären der Bevölkerung.

Die Coronakrise wäre eine Chance für Christen gewesen, durch gemeinsames Eintreten für die Versammlungsfreiheit und durch gemeinsames Gottesdienstfeiern Einheit zu zeigen. Es wäre schön gewesen, wenn spätestens zu Ostern 2020 alle oder viele Gemeinden Gottesdienste gefeiert hätten, trotz der Gefahr, dass die Staatsgewalt einschreitet. Das hätte Gott und die Engel gefreut und die Teufel geschwächt, es hätte die Gläubigen gestärkt, und es hätte ein Ende des Lockdown wahrscheinlicher gemacht. Aus einem persönlichen Bericht weiß ich, dass einige orthodoxe Kirchen in Russland dies gemacht haben. Wo normale Gottesdienste wirklich unmöglich sind, sind Versammlungen in den Häusern oder im Freien gute Alternativen. Schon Hausgottesdienste mit zwei oder drei Christen haben eine große Wirkung.

Widerstandslos dürfen sich Christen nicht dem Versammlungsverbot unterwerfen.



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