Auf daß er euch nicht schlafend finde

Die Frage

Auf diesem Blog wurde von Benjamin Splitt die Frage gestellt, was Christen angesichts der Coronakrise tun sollten. Sollen sie sich der Staatsgewalt unterordnen? Oder sollten sie versuchen, wie Harald Seubert schrieb, dem Rad der Eingriffe in die freiheitlichen Grundrechte „in die Speichen zu fallen“?

Was Christen angesichts der Coronakrise tun sollten, hängt davon ab, was die Wahrheit über jenes Virus ist. Erst im nächsten Artikel werde ich darlegen, daß und wie Christen Widerstand leisten sollten. In diesem Artikel werde ich meine Meinung über das NCoV beschreiben und besprechen, wie man die Wahrheit findet.

Das Coronavirus ist nicht besonders gefährlich

An anderer Stelle habe die folgende These, die ich hier „NBG“ (für „nicht besonders gefährlich“) nenne, ausführlich begründet:

(NBG) Das Neue Coronavirus (NCoV) ist nicht besonders gefährlich, und selbst wenn es gefährlich wäre, wären der Lockdown und das Social Distancing nicht die richtigen Maßnahmen, um die Todeszahlen zu verringern.

Die Gefährlichkeit oder Pathogenität eines Virus ist das Maß, in dem es einen Menschen kränker macht, wenn er infiziert wird. Daß das NCoV nicht besonders gefährlich ist, heißt, daß es Menschen, die damit infiziert werden, nicht viel kränker macht. Halbwegs gesunde Menschen bekommen durch eine NCoV-Infektion keine oder nichtlebensgefährliche Symptome. Eine Zusammenfassung der richtigen Methode zur Erkenntnis der Gefährlichkeit des NCoV bietet die folgende Gefährlichkeitsbedingung (GB):

(GB) Das NCoV ist nur dann gefährlich, wenn es Todesfälle von Infizierten gibt, die keinen starken anderen Risikofaktoren ausgesetzt sind, die also inbesondere keine gravierenden Vorerkrankungen hatten und nicht alt waren.

Erläuterung: Ein einziger Fall eines Nichtrisikocoronatoten wäre noch kein starker Beweis, denn man kann leicht Faktoren übersehen. Um die Gefährlichkeit zu zeigen, braucht man aber keine umfangreichen statistischen Daten. Es würde eine gewisse Zahl von Nichtrisikocoronatoten aus verschiedenen Regionen genügen. Durch Obduktion dieser Fälle kann man die Erkenntnis der Wirkung des NCoV wesentlich erweitern. Durch die Suche nach Nichtrisikocoronatoten findet man auch heraus, ob es seltene Fälle ungewöhnlich hoher Empfindlichkeit gibt. Die Zahl solcher Fälle und das Maß der Vorerkrankung der verstorbenen Infizierten geben Auskunft über die Pathogenität des NCoV.

Die staatlichen Stellen (Robert-Koch-Institut, WHO, CDC, Regierungen) begründen die Gefährlichkeitsbehauptung durch Verweis auf die Zahl der Infizierten und die Zahl der verstorbenen Infizierten. Doch die Zahl der Infizierten ist nicht bekannt und nicht verläßlich abschätzbar. Und da es sein kann, daß das NCoV wenig oder nichts zum Tod der verstorbenen Infizierten beigetragen hat, ist die Zahl der verstorbenen Infizierten irrelevant. Darauf haben viele Experten und Nichtexperten hingewiesen. (Siehe von-wachter.de/cov/) Die von den staatlichen Stellen vorgetragene Begründung ist völliger Unsinn.

NBG läßt sich leicht überprüfen. Wenn es eine gewisse Menge an Todesfällen gibt, bei denen das NCoV, aber keine oder nur schwache andere Risikofaktoren vorliegen, dann ist NBG falsch. Diese Toten sollte man obduzieren, dadurch würde man genau erkennen, wieweit und wie das NCoV zu den Todesfällen beigetragen hat. Die Daten (z.B. aus Italien) zeigen klar, daß nur solche Infizierte sterben, die gravierende Vorerkrankungen haben oder alt sind. Das NCoV trägt wenig oder nichts zu ihrem Tod bei. Obduktionen bestätigen dies. Und wenn das Virus gefährlich wäre, dann sollte man den Risikogruppen helfen, aber die anderen Menschen ihrer Arbeit nachgehen lassen. Zu dieser Hilfe könnte in bestimmten Fällen freiwillige Isolierung gehören, mindestens so wichtig wären aber andere Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems.

Die herrschende Stimmung

Für sich genommen wäre die These NBG harmlos, denn sie sagt nur, daß ein bestimmtes Virus mittelmäßig gefährlich ist und daß man seinetwegen nicht alle Versammlungen zu verbieten braucht und darf. Aber die staatlichen Stellen und die regierungsnahen Medien erzeugen eine bestimmte Stimmung. Ich nenne diese Stimmung „die herrschende Meinung“ oder „die herrschende Stimmung“. Es ist die von den Herrschenden erzeugte Stimmung. Derjenige, der sich durch diese Stimmung beeinflussen läßt, empfindet NBG als extrem, radikal oder gefährlich. Selbst die Neue Züricher Zeitung, die oft der Vernunft eine Stimme gibt, stellt in einigen Artikeln diejenigen, die der Regierungssicht widersprechen, als gefährlich dar:

„In Deutschland versucht eine Querfront, in der sich unter anderen Rechtsradikale, Impfgegner, Linksautonome, Kapitalismuskritiker und Esoteriker finden, Umsturzphantasien in die Gesellschaft zu tragen und den demokratischen Diskurs zu unterminieren. Ihr potenzielles politisches Reservoir ist gross.“ (13.5.2020)

Da dies auf die Vertreter von NBG und auf die Demonstranten in Deutschland bezogen ist, erinnert mich das an einen Geisteskranken, der einem anderen Menschen genau das vorwirft, was er selbst tut. Die gemeinten Demonstranten möchten gerade die Wiederherstellung des Zustands vor der Coronakrise und die Wiederherstellung der Demokratie. Wo versuchen sie, „den demokratischen Diskurs zu unterminieren“? Die staatlichen Maßnahmen hingegen kommen einem Umsturz gleich und beschneiden die Grundrechte gravierend. Die Vertreter und Unterstützer der Regierung scheinen manchmal Umsturzphantasien zu haben. So sagte der ARD-Chefredakteur Rainald Becker am 6.5.2020:

„Der Status quo ante, also zurück zur alten Normalität ist vielen Wirrköpfen, die sich im Netz unter „Widerstand 2020“ und anderen Namen tummeln, nachgerade ein Herzensanliegen. All diesen Spinnern und Coronakritikern sei gesagt: Es wird keine Normalität mehr geben wie vorher. Madonna, Robert de Niro und rund 200 andere Künstler und Wissenschaftler fordern zurecht, nach der Coronakrise Lebensstil, Konsumverhalten und Wirtschaft grundlegend zu verändern. Diese weltweite Pandemie muß zu etwas Neuem führen.“ (youtube.com)

Warum sagt der ARD-Chefredakteur, daß sich Lebensstil und Wirtschaft grundlegend verändern sollten? Selbst wenn das Virus gefährlich wäre, brächte es keine Veränderung der Wirtschaft. Kommunistische Revolutionen verändern Lebensstil, Konsumverhalten und Wirtschaft. Sie enteignen die Unternehmer und führen eine staatlich kontrollierte Wirtschaft ein. Der Lockdown führt viele Unternehmer in den Bankrott. Der Staat könnte vesuchen, den Lockdown zu nutzen, um dauerhaft eine noch stärkere Kontrolle über die Wirtschaft zu erlangen, als er sie schon vor der Coronakrise ausübte. Ist das die Veränderung, die Becker möchte?

Auf jede Alternative zur von der Regierung vertretenen Position, die über ein „Die Maßnahmen der Regierung waren ein bißchen übertrieben“ hinausgeht, wird derzeit in immer noch wachsender Häufigkeit das Schlagwort „Verschwörungstheorie“ angewandt. Wenn jemand gar erwägt, jemand könnte sich aus finanziellen Gründen für eine Impfpflicht einsetzen, muß er damit rechnen als gemeingefährlich dargestellt zu werden. Durch Artikeltitel wie „Zweifler an den Corona-Maßnahmen sind noch keine Verschwörungstheoretiker“ (Tagesspiegel, 2.5.2020) und „Von der Maßnahmenkritik zur Verschwörungstheorie“ (FAZ, 7.5.2020) werden eine Grenze und ein Tabu erzeugt. Vertreter anderer Meinungen werden ausgegrenzt, auf sie gehen Verurteilungen als Spinner, unmoralisch und gefährlich nieder.

Seid wachsam!

Christen haben es eigentlich leichter als andere, sich nicht durch die herrschende Stimmung, sondern durch die Vernunft leiten zu lassen. Aus der christlichen Lehre wissen sie, daß der Mensch – oder auch böse Geister oder der Teufel – zu großer Lüge und Bosheit fähig ist. Sie wissen, daß der Mensch nicht nur gute Absichten hat, sondern böse Neigungen hat. Jesus und die Bibel haben die Christen gewarnt, daß Gott viel Böses zuläßt und daß sie wachsam sein müssen, um die Lüge zu erkennen und nicht verführt zu werden. Auch vor einer antichristlichen Weltregierung warnt die Bibel (Off. 13,8; 2. Thess. 2). Christen wissen also, daß es durchaus große, bösartige Verschwörungen geben kann, die einem Nichtchristen unvorstellbar erscheinen mögen. Christen wissen, daß „Machthaber und Könige“ (Markus 13,9) und der „Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 14,30) viel Böses tun können. Daher werden Christen nicht blauäugig annehmen, daß Regierungen stets das Gute für die Bürger wollen. Das sollte es den Christen leichter machen, Lügen zu erkennen, Gruppendruck zu widerstehen und Propaganda zu durchschauen. Sehen wir uns einige Bibelstellen dazu an.

In der Endzeitrede warnte Jesus die Jünger und, so nehme ich an, auch die Christen späterer Generationen, daß sie auf „Wehen“ gefaßt sein sollen, bevor der Sohn des Menschen, das ist Jesus Christus, wiederkommen wird. Unruhen, Christenverfolgung, Trübsal, Greuel der Verwüstung. Viele werden verführt werden, viele Christen werden vom Glauben abfallen. Jesus will mit dieser Rede die Christen nicht nur über Zukünftiges informieren, sondern er will sie warnen, vorbereiten und ermahnen. Er will ihr Handeln beeinflussen. „Sehet euch vor!“ (Markus 13,23) „Sehet zu, wachet und betet; denn ihr wißt nicht, wann es Zeit ist.“ (33) „Wachet, auf daß nicht der Herr, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend findet.“ (35f) Die Rede darf also nicht fatalistisch gedeutet werden. Es ist nicht so, daß alles kommt, wie es muß, und wir nichts tun können. Insbesondere ob Christen verführt werden und ob sie vom Glauben abfallen, hängt davon ab, ob sie wachsam sind. Es hängt von ihnen ab. Es hängt davon ab, ob sie sich bemühen, wachsam zu sein. Diese Ermahnung und Warnung gilt für Christen nicht nur ab einer bestimmten Häufigkeit von Erdbeben, sondern allezeit. Also auch jetzt in der Coronakrise, egal, ob Christus in einem Monat oder in tausend Jahren wiederkommen wird.

Angewandt auf die Coronakrise heißt das erstens, daß die Gefahr der Täuschung und der Verführung besteht, und zweitens, daß wir mit Leid, Christenverfolgung und vielen anderen bösen Taten rechnen sollen.

Die Offenbarung des Johannes malt im 13. Kapitel die Szene der „zwei Tiere“. Vom ersten Tier heißt es: „Die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach, und sie beteten den Drachen an“ (Vers 3f). „Ihm wurde ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, zweiundvierzig Monate lang zu wirken.“ (5) Gott erlaubte ihm, „Krieg gegen die Heiligen“ – gemeint sind die Christen – zu führen „und sie zu überwinden. „Und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Sprachen und Völkerschaften.“ Alle, „deren Namen nicht geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes“ (8), beten es an. Dann wird in die Szenenbeschreibung eine Ermahnung eingeworfen: „Hat jemand Ohren, der höre!“ Das zweite Tier macht, daß die Menschen das erste Tier anbeten. (12) „Es tut große Zeichen“ und „verführt, die auf Erden wohnen“ (14) Auch macht es, daß alle „sich ein Malzeichen geben“ (16), „und daß niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen“ (17).

Mir scheint, es wäre nicht richtig zu sagen, daß durch Offenbarung 13 Gottes Wort sagt, daß es eine Weltregierung geben wird, in der nur Menschen kaufen und verkaufen können, die ein bestimmtes Merkmal haben. Denn Offenbarung 13 wird, wie die anderen Szenen der Offenbarung, nur eingeleitet mit „Und ich sah“. Es wird nicht gesagt, daß es feststeht, daß es eine antichristliche Weltregierung geben wird. Aber auf alle Fälle warnt Offb 13 die Menschen vor dieser Gefahr, damit sie darauf gefaßt sind und sich vor der Verführung hüten, und vielleicht auch, damit sie etwas tun, um eine Weltregierung zu verhindern.

Für die Coronakrise heißt das, daß es für Christen falsch und irrational wäre, die Möglichkeit, daß jemand eine antichristliche Weltregierung aufbauen möchte, als absurd abzutun. Wenn diese Möglichkeit aufgrund der Indizien unwahrscheinlich ist, dann sollten Christen nicht meinen, daß sie durch Offb 13 wüßten, daß jetzt eine Weltregierung komme. Aber sie sollten wachsam sein – wie es z.B. die katholischen Verfasser des Aufrufs „Veritas liberabit vos“, zu denen auch Kardinal Gerhard Müller gehört, vorgemacht haben – und nicht einfach der Regierung und dem Fernseher glauben, daß der Lockdown der Gesundheit diene.

Im Brief an die Epheser, Kap. 6, weist der Apostel Paulus seine Leser an, wie sie sich für die kommende Zeit rüsten und verhalten sollen, indem er verschiedene Tugenden als Teile einer Waffenrüstung beschreibt, die sie anlegen sollen. Paulus beschreibt die Verschwörung:

„Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt. Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen bleiben könnt!“ (Epheser 6,10-13)

Dies impliziert:

  • Es gibt böse Menschen oder Geister, die viel Macht in dieser Welt haben.
  • Böse Menschen und Geister greifen die Christen mit List an.
  • Christen sollen und können dagegen kämpfen und wiederstehen.

Unter der Annahme, daß Gott allmächtig ist und jederzeit dem bösen Treiben ein Ende bereiten könnte, ergibt sich, daß er das deshalb nicht tut, weil das Wachsein, die Treue, das Widerstehen und der Kampf gegen das Böse etwas Wertvolles sind. So, wie Petrus ausmalt, wie wertvoll es ist, wenn Christen Anfechtungen erdulden. Die Bewährung des Glaubens ist „viel köstlicher als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn nun offenbart wird Jesus Christus“ (1 Petr 1,7). In der zukünftigen Welt werden einmal alle Tränen abgewischt werden und es wird kein Böses und keinen Kampf mehr geben, aber im diesseitigen Leben und in der gegenwärtigen Zeit läßt Gott das Böse zu, damit wir uns bewähren und für das Gute und gegen das Böse kämpfen können. Deshalb warnt Gottes Wort die Christen, daß sie mit allem Bösen rechnen und diesem widerstehen sollen. Das ist ein Auftrag und Befehl Gottes.

Christen glauben, daß Gott vollkommen gut ist. Das ist nicht selbstverständlich, denn man kann auch an einen unvollkommenen Gott (etwa einen „Demiurgen“) glauben. Oder an einen Gott, für den es kein Gut und Böse gibt, sondern der befiehlt, was er will. So ein Gott ist einfach der oberste, an nichts gebundene Boss. Aber Christen glauben, daß Gott nicht so ist, sondern daß Gott gut ist. Er tut stets das Gute. Dann könnte man deshalb denken, daß der „liebe Gott“ ja wohl keine Welt schaffen wird, in der Menschen böse Absichten haben. So offen wird das kein Christ sagen, aber Christen können durch ihre Gefühle oder durch Beeinflussung weich werden, so daß sie davor zurückschrecken, böse Absichten anzunehmen.

Kann ein Mensch überhaupt eine böse Absicht haben? Kann ein Mensch absichtlich etwas Böses tun? Dies ist deshalb möglich, weil ein Mensch nichtrationale Neigungen hat. Einige Handlungen werden durch die Überzeugung motiviert, daß das Betreffende gut wäre; andere Handlungen werden durch nichtrationale Neigungen motiviert. Je nach Zusammenhang nennen wir nichtrationale Neigungen auch Triebe oder Begierden. Die Handlung fällt uns leicht, oder es treibt uns zu ihr hin. Geld, Anerkennung, Zuneigung, Ehre und Ruhm sind alles Dinge, die angenehm sind. Der Wunsch nach ihnen treibt jede Handlung an, durch die wir sie bekommen. Das ist gut, wenn es gute Handlungen sind, z.B. harte Arbeit. Aber der Wunsch führt uns auch in die Versuchung, manches zu tun oder mitzumachen, was schlecht ist. Eine böse Absicht entsteht in uns, wenn wir einer Neigung zu einer bösen Handlung nachgeben. Während gute Absichten also durch die Vernunft und durch die Überzeugung, daß etwas gut ist, entstehen, entstehen böse Absichten durch Triebe.

Wenn ein Mensch den Versuchungen nicht widersteht und in schlechte Gesellschaft gerät, kann er sich so entwickeln, daß er Handlungen tut, die so böse sind, daß manch anderer sie sich nicht vorstellen kann. Das Neue Testament sagt dazu erstens, daß in jedem Menschen Bosheit steckt und daß deshalb jeder die Vergebung durch Christi Kreuzestod braucht, und zweitens, daß es unvorstellbar böse Handlungen gibt.

Angewandt auf die jetzige Situation: Man könnte geneigt sein auszuschließen, daß die Regierung oder die öffentlich-rechtlichen Medien systematisch lügen, daß jemand eine Diktatur aufbauen, daß jemand einen schädlichen Impfstoff verbreiten oder einen Impfzwang einführen möchte. Ob sie das tun, ist eine empirische Frage, das muß man durch Forschen anhand der Indizien herausfinden. Aber aus christlicher Sicht darf man nicht die Existenz einer Tat deshalb ausschließen (d.h. ihr eine niedrige Ausgangswahrscheinlichkeit zuschreiben), weil sie sehr böse wäre. Christen sollten weniger als andere in der Gefahr stehen, blauäugig zu sein oder das Böse nicht wahrhaben zu wollen. Gottes Wort warnt die Christen und befiehlt ihnen, wachsam und standhaft zu sein und gegen das Böse zu kämpfen. Manchmal scheinen einige Christen zu glauben, daß es verwerflich ist, böse Absichten anzunehmen. Sie meinen, man solle immer nur die besten Absichten annehmen. Das ist weder christlich noch rational.

Verschwörungstheorien

Nun zurück zum Schlagwort „Verschwörungstheorie“, das derzeit von den staatlichen Stellen und von den regierungsnahen Medien auf alle geschossen wird, die eine andere Meinung haben. In einem früheren Artikel habe ich dargelegt, daß es ganz unwahrscheinliche Verschwörungstheorien gibt, aber daß es irrational ist vorauszusetzen, daß es nie Verschwörungen (wie auch immer dieser Begriff genau definiert wird) gäbe. Die Bezeichnung „Verschwörungstheorie“ wird verwendet, um den Gegner zu diskreditieren und um die Diskussion über seine Theorie zu verhindern. Die Bezeichnung einer Meinung als „Verschwörungstheorie“ ist kein Argument, sondern ein Propagandamittel. Bezeichnet jemand eine andere Meinung als „Verschwörungstheorie“, ist das ein Hinweis darauf, daß er keine Argumente hat. Natürlich sollte man auch die Hypothesen prüfen, daß jemand die Gefährlichkeit des NCoV übertrieben und Angst verbreitet hat, um durch einen Impfstoff Geld zu verdienen; daß jemand den Lockdown gefördert hat, um die Wirtschaft zu beschädigen und die Macht des Staates zu vermehren; daß jemand einen schädlichen Impfstoff verbreiten möchte, um die Weltbevölkerung zu reduzieren; daß jemand allen Menschen einen Chip einpflanzen möchte oder daß jemand eine antichristliche Weltregierung aufbauen möchte. Warum denn nicht? Wenn man durch einen Anfangsverdacht auf eine Hypothese stößt, sollte man die Indizien für und gegen diese Hypothese prüfen. Tatsächlich gibt es Theorien, die Verschwörungen behaupten, die mehr auf Phantasie als auf Indizien beruhen. An die glaubt ein rationaler Mensch nicht. Aber die Bezeichung „Verschwörungstheorie“ weist nicht auf Indizien hin, sondern sie ist ein propagandistisches Werkzeug, um eine Theorie zu diskreditieren.

Es ist ein Gebot der Vernunft: Lassen Sie sich nicht durch das Schlagwort „Verschwörungstheorie“ beeinflussen! Diesen Einfluß schaltet man aus, indem man sich klarmacht, daß „x ist eine Verschwörungstheorie“ kein Argument gegen die Wahrheit von x ist. Man nehme einen der sich derzeit exponentiell vermehrenden Verschwörungstheoriebekämpfungstexte (Die ZEIT gab der Ausgabe 21/2020 den Titel „Die Stunde der Verschwörungstheorien“) und suche in ihm die Argumente für die vorgetragene These. Also das, was wirklich die These stützt, so wie Müllers Fingerabdruck auf der Tatwaffe die Hypothese stützt, daß Müller der Mörder ist. Dazu muß man als erstes die These identifizieren. Bei Verschwörungstheoriebekämpfungstexten wird diese oft nicht explizit genannt, sondern als selbstverständlich hingestellt. Die These ist dann, daß die als „Verschwörungstheorie“ bezeichnete Meinung falsch und die von der Regierung verbreitete Darstellung wahr sei. Ein Argument wäre, daß in Italien fünf junge, gesunde Menschen durch eine NCoV-Infektion gestorben sind. Dann kann natürlich immer noch diese Tatsachenbehauptung falsch sein. Manche Tatsachenbehauptungen kann man leicht prüfen, andere schwer. Aber wenn man These und Argumente identifiziert hat, weiß man immerhin schon, an welchen Tatsachenbehauptungen und an welchen Gedankenschritten die These hängt.

Eine bloße Aussage der Art „Der Experte x hat gesagt, das NCoV sei sehr gefährlich“, ist auch noch kein Argument. Ein bloßer Verweis auf einen Experten ohne einen Verweis auf das Argument oder die Entdeckung des Experten hat wenig oder keine rationale Überzeugungskraft. Die tritt erst ein, wenn Einzelheiten hinzukommen, z.B. „Der Rechtsmediziner Klaus Püschel hat alle 100 coronapositiven Todesfälle in Hamburg untersucht und bei allen gravierende Vorerkrankungen gefunden“.

Noch wichtiger ist es, nicht einfach der Regierung zu glauben und seine Überzeugungen nicht durch die Prädikate „offiziell“ und „seriös“ beeinflussen zu lassen, wie z.B. in folgendem Ausspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel:

„Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen, die wir immer auch in viele Sprachen übersetzen lassen.“ (Ansprache vom 18.3.2020, bundesregierung.de)

Oder in der Ansprache der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vom 6.4.2020:

„Vertrauen Sie den Gesundheitsbehörden! Vertrauen Sie der Weltgesundheitsorganisation! Vertrauen Sie dem gesunden Menschenverstand und journalistischer Sorgfalt in den Qualitätsmedien.“ (Youtube)

Genau das Vertrauen, das diese Politiker zu erzeugen versuchen, ist irrational. Der rationale Mensch läßt sich nicht durch solches Autoritätsgehabe beeinflussen, sondern prüft alle Aussagen auf ihren Indiziengehalt. Er filtert diese Beeinflussungselemente und versucht, sich nur nach den Indizien zu richten. Wenn man ein Argument nicht versteht, sollte man sich gar nicht von ihm beeinflussen lassen. Damit ist man epistemisch in einer besseren Lage, als wenn man jemandem Glauben schenkt.

Eine praktische Empfehlung

Ich schließe mit einer praktischen Empfehlung, die früher in christlichen Gemeinden üblich war: Christen sollten keinen Fernseher in der Wohnung haben. Es ist gut, sich mit Gegenpositionen und -argumenten zu befassen, aber wer sich dem Fernsehen aussetzt, setzt sich irrationalen Einflüssen aus, deren Wirkung man durch Nachdenken nicht neutralisieren kann. Wer fernsieht, läßt sich, z.B. in Nachrichtensendungen wie der Tagesschau, durch das Als-selbstverständlich-Hinstellen und durch die gespielte Seriosität manipulieren. Es wird im Zuschauer das Gefühl erzeugt, daß eine bestimmte Meinung in der Mitte, andere aber extrem und untragbar seien. Dadurch wird der Zuschauer von christlichen Auffassungen weggezogen. Das Fernsehen ist für die Überzeugungen so schädlich wie Pornographie schädlich für die Keuschheit ist. Ferner erzeugt das Fernsehen im Zuschauer das Gefühl, daß bestimmte Verhaltensweisen normal und gut seien. Die Darstellung von Personen mit dummem und schlechtem Verhalten wirkt auf den Zuschauer ansteckend, sie wirkt als schlechtes Vorbild. Fernsehen macht dumm. Auch bezüglich der Beurteilung des Neuen Coronavirus.


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