Leserbriefe und Rückmeldungen Teil 1

Seit gut drei Wochen sind wir nun mit dieser Seite online. Wir haben viel nachgedacht, gelesen und geschrieben. Auf unsere Impuls-Artikel haben wir von verschiedenen Seiten Antworten erhalten und hier publiziert. Und auch Leserbriefe und Rückmeldungen haben uns über verschiedene Kanäle erreicht.

Wir freuen uns über jede Reaktion, jede konstruktive Kritik und jeden neuen Gedankenanstoß. Denn darum ging es uns von Anfang an: „Diese Internetseite soll eine Plattform für eine solche Diskussion bieten. Wir werfen ein paar Fragen auf, streuen ein paar Gedanken ein und hoffen auf erhellende Antworten.“ Mit diesem Beitrag wollen wir die Diskussions-Plattform erweitern, indem wir einige Leserbriefe und Reaktionen publizieren.

Gleichzeitig ist es uns wichtig zu betonen: Unser Anliegen ist es nicht, Christen, Gemeinden und die Kirche zu spalten, Öl ins Feuer zu gießen und Gräben zu vertiefen. Denn obwohl es teilweise ganz gegensätzliche Meinungen zu den besprochenen Themen innerhalb der Kirche gibt, dürfen diese Themen die Kirche doch nicht spalten. Eine Spaltung darf und muss es um Christi willen geben, wegen des Bekenntnisses zu ihm werden „fünf in einem Haus uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei“ (Lukas 12,52). Hier werden und müssen immer wieder Gräben entstehen.

Nicht aber darf es zu Spaltung wegen Themen kommen, die mit dem Evangelium irgendwie zu tun haben, aber nicht das Evangelium selber sind. Über diese Dinge darf diskutiert werden, diese Diskussion sollte aber schlussendlich dazu führen, dass der Blick geschärft wird und die Kirche auf Kurs in Richtung Siegeskranz (lateinisch: Corona) bleibt. Am Ende muss trotz Meinungsdifferenzen die Einheit stehen, zu der wir berufen sind (Epheser 4,1-3).

Lasst uns in diesem Sinne weiter diskutieren. Wir werden neue Impulse und Antworten publizieren. Auf jeden Text kann als Leserbrief reagiert werden. Das gilt übrigens auch für die bereits publizierten Texte.

Leserbriefe zum Thema Gottesdienst & Digitalisierung

Ich finde Ihre Initiative und Ihr Engagement für dieses Forum sehr gut und wichtig.
Eine Wiederholung der deutschen Pandemie-Krisenpolitik ist aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen. Die Tendenz zeigt in Richtung von mehr Bevormundung und Überwachung.

Lord Sumption, einer der prominentesten britischen Verfassungsrechtler, „warnt vor einer Tyrannei. Aber nicht, weil er Verschwörungstheorien anhinge… Dabei unterstellt er der Regierung keine böse Absicht, sondern sieht sie als Opfer einer falschen Anspruchshaltung der Gesellschaft… Wenn wir die Politiker für alles verantwortlich machen, was schiefgeht, werden sie uns unsere Freiheit wegnehmen, damit nichts mehr schiefgeht. Sie tun das nicht für unseren Schutz vor dem Risiko, sondern für ihren Schutz vor der Kritik.“ (FAZ 20.05.) Das haben Alexis de Tocqueville vor bald zwei Jahrhunderten und Francis Schaeffer vor einem halben Jahrhundert vorhergesehen.

Mir scheint, dass sich die luxuriöse Zeit der umfassenden Religionsfreiheit im Westen dem Ende zuneigt. Es wäre deshalb allerhöchste Zeit, Hausgemeinschaften, Hausandachten, Hausgottesdienste intensiv zu fördern. Wenn sich die Hausgemeinschaften wie die ersten Christen zusätzlich auch im Tempel treffen können (bis er zerstört wird), umso besser. (Überwachbare) Telekom-Notlösungen führen im Blick auf die Zukunft und geistlich in eine Sackgasse.

Was zur Zeit abläuft, ist eine Forcierung der Kernerosion des Menschen als personales und soziales Wesen und der Kernerosion der christlichen Gemeinden. Peter Hahne: „Ohne Widerspruch auch der Evangelikalen.“ Dabei ist die erlebbare Gemeinschaft „die weltweit einmalige Ressource der Christen“, so der Neomarxist Jürgen Habermas. Das Internet in seiner häuslichen Vereinsamung kann das nicht ersetzen.“ Zur Verblüffung einiger Kommentatoren funktioniert das alte Bündnis von Thron und Altar immer noch, obwohl die Kirchen früher davon profitierten, während sie heute den Rest ihrer Relevanz aufgeben.

Johannes Strehle


Diese Zeit hat widergespiegelt, in welch traurigem Zustand wir uns als Gemeinde Gottes befinden. Ich denke, wir sind alle so überfrachtet mit dem, was ein Luxusleben so mit sich bringt, dass viele eher die neue Ruhe genossen haben, anstatt die Gemeinschaft zu vermissen. Ich am Ende auch. […]

Unter den Gläubigen war die Reaktion insgesamt recht verhalten. Ich hatte nicht den Eindruck, dass viele alarmiert waren. Meistens hieß es: „Naja, wir wissen ja nicht, wann Jesus wiederkommt, so steht es ja auch in der Bibel.“ Aber dass wir die Zeichen der Zeit beurteilen sollen, schien irgendwie keiner zu wissen!?

Vielleicht bin ich ja soetwas wie ein Hypochonder, aber ich bin etwas verzweifelt, dass sich anscheinend nichts geändert hat. Die Kirchen öffnen langsam wieder, aber ohne Singen und mit großem Personen Abstand! Ich leide darunter! Das ist für mich keine Gemeinschaft. […]

Leserbriefe zum Artikel Gottesdienst des Alltags

Leere Briefkästen und blinde Makrophagen

Einander in Gaben zu dienen arbeitet der Einsamkeit und krankmachender Ichbezogenheit des Gebers und des Nehmenden wirksam entgegen, das ist eine gute, aufrüttelnde Ermutigung, danke dafür!

Ich schaudere bei dem Gedanken, welche Folgen die Quarantänemaßnahmen nach sich gezogen haben. Wie viele Leute sind wohl verhungert, verdurstet, weil trinkbares Wasser und Lebensmittel nicht erreichbar war oder weil Vereinsamung die Freude und Kraft zum Leben nahm? Wie viele Kleinkinder werden ernsthafte, bleibende Schäden davontragen durch Schütteltraumata, weil überforderte Eltern die Nerven verloren haben?

Blinde Makrophagen: in den Alveolen der Lunge, bläschenhafte Zellen am Ende jedes Bronchialastes, grasen Makrophagen (Fresszellen) die Zellöberfläche der bereits genannten Alveolen ab und eliminieren so pathogene Erreger. So kann der Gasaustausch problemlos stattfinden und das Blut mit Sauerstoff beladen werden. Ähnlich wie die Makrophagen sollten wir Christen auf der Hut sein und schädliche Einflüsse erkennen. Kirche&Corona.de ist dazu eine gute Hilfestellung und regt zu vielen wirksamen, kritischen Gedanken an, um zum Beispiel ein kritisches Auge auf die Entwicklung der Gesellschaft in Deutschland zu werfen. Christliche Werte scheinen immer mehr an den Rand gedrängt zu werden, christliche Krankenhäuser werden von großen säkularen Kliniken verschlungen, die Haltung Abtreibungen zu verhindern und Leben zu fördern schwindet zusehends. Ärzten und Pflegenden ist es verboten Patienten von Jesus zu erzählen und das Evangelium zu verkünden, das wahre Hoffnung und tiefen Trost in allem Leid schenkt. Außerdem werden immer mehr kleine Krankenhäuser in einzelne Kliniken zusammengelegt, die dennoch eine geringere Anzahl an Betten haben und die medizinische Versorgung verliert an Qualität.

Wohin wird uns das führen? Was lässt sich dagegen tun?


Vielen Dank für so ermutigende Worte. Ja, das ist es, was mich die letzten Wochen beschäftigt. Als ob wir uns nur am Sonntag treffen und sonst interessiert uns nichts außer uns selbst. Wie sehnlichst wartete ich auf Zusammenkommen. Aber jetzt frage ich mich: „Will ich noch in die Gemeinde? Und wenn ja, wozu?“ Nach einigem Schreiben und Anrufen habe ich gemerkt, dass es unpassend von mir war. Ich hoffe, dass wir bald mehr Interesse an uns gegenseitig haben als z.B. am Biken, Angeln oder Fußballspielen.

Leserbrief zum Artikel Mach’s Maul auf!

Lieber Ulrich Parzany, die Zeit meiner ersten Predigt war auch die Zeit, in denen Sie mit ProChrist ihre ersten deutschlandweiten Evangeliastionsveranstaltungen abhielten. Noch heute denke ich dankbar an die Lieder und Ihre verständliche Art der Verkündigung zurück. Damals wie heute sind Sie umstritten und dennoch, davon bin ich überzeugt, vom Herrn gesegnet. Ich glaube daran, dass Gott die „Veranstaltungsevangelisation“ für sich nutzen kann und will.

Ich für meinen Teil habe in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu schätzen gelernt, mit meinem Glauben authentisch aber unaufdringlich zu sein. Ich verstecke mein Christsein auch im Alltag nicht und erfahre eine große Offenheit bei Freunden und Arbeitskollegen, die Jesus noch nicht kennen. Für mich ist es ein großes Wunder, mitzuerleben, wie Gott bei einigen von ihnen auf einmal zum Thema wird. Manche besuchten daraufhin sogar einen Gottesdienst.

2018 hatte ich ein Jahr lang Sabbatzeit, ließ all meine kirchlichen Aufgaben ruhen und war nur hörend unterwegs. Glauben Sie mir, in diesem Jahr habe ich mit mehr Menschen wirklich tiefgreifend über Jesus gesprochen, als all die Jahre zuvor.

Mag sein, dass die Corona-Pandemie vielleicht nicht von Gott gegeben, aber auf jeden Fall auch nicht von ihm verhindert wurde. Die Frage, die uns Christinnen und Christen in den letzten Jahren zurecht beschäftigt hat, ist doch: Was bedeutet es für uns, heute Kirche zu sein? Corona fordert uns dazu heraus, schneller nach Antworten zu suchen, als wir uns wirklich auf den Weg machen wollten. Unser Auftrag lautet nicht, „macht’s Maul auf“ und ruft „kommt hinzu“ sondern „geht hinaus, schaut hin und hört erstmal zu“.

Olaf Bogdan

Diskussion zum Thema Politik & Religion

Dieses Thema hat zu besonders vielen Diskussionen auf Facebook und in Chatdiensten geführt. Beispielhaft geben wir hier anonymisiert einen Ausschnitt aus einer Diskussion wider.

Person A:

Aus meiner Sicht versagt der Staat in seiner Ordnung und Recht schaffenden Funktion überhaupt nicht. Dietrich Bonhoeffer machte diese Aussage in Bezug auf das aufsteigende Nazi Regime. Ich finde den Vergleich mit dem heutigen Handeln der Regierung in der Coronakrise sehr unpassend. Dietrich Bonhoeffer hätte seine Aussage bestimmt nicht auf unsere Bundesregierung angewandt und ich finde es schade, dass er durch sein Zitat als Befürworter für ein politisches Hinterfragen/Protestieren/Auflehnen seitens der Kirche in der Coronakrise „missbraucht“ wird. Unsere Regierung handelt und agiert möglichst transparent und erklärt, warum es notwendig ist/war, Grundrechte aufzuheben. Die Motivation dafür ist nicht Unterdrückung, Verfolgung, Machtdemonstration oder eine menschenverachtende Ideologie wie im Nazi-Regime, sondern eines der wichtigen Grundrechte: Das Recht auf Leben. Es geht darum, Menschenleben zu schützen inmitten einer Krise, die selbst von Experten nicht vollständig verstanden wird. Daher agiert man lieber vorsichtig und bevormundend, als dass man dafür Leben aufs Spiel setzt. Es geht nicht darum, Menschen Freiheiten in Form von Grundrechten wegzunehmen und Christen ihre Religion zu verbieten. Unsere Regierung übernimmt in dieser Krise einfach die Verantwortung für das Leben der Bürger. Eine Verantwortung, die viele Bürger dieses Landes freiwillig nicht wahrnehmen würden, weil ihnen die Konsequenz für die Mitmenschen nicht bewusst oder weil es ihnen sogar egal ist. Wenn die Regierung die Maßnahmen zur Diskussion gestellt oder auf freiwilliger Basis umgesetzt hätte, dann hätte man die Regierenden hinterher wohl dafür kritisiert, dass sie keine Verantwortung übernommen haben, obwohl sie es besser wussten.

Ich würde auch nicht von „Aushebung des Rechts auf freie Religionsausübung“ sprechen. Trotz Corona und den Maßnahmen konnten/können viele tausende Gemeinde trotzdem ihren Gottesdienst abhalten. Es ist nur etwas anders und ungewohnt. Man trifft sich jetzt virtuell und nicht persönlich. Aber wir können immer noch Gottes Wort hören/studieren, wir können Gott immer noch die Ehre geben und ihn loben, wir können uns gegenseitig mit Zeugnissen ermutigen, wir könnten sogar online das Abendmahl miteinander einnehmen, usw.

Person B:

Es geht hier um eine Kernaussage Bonhoeffers, die abseits des konkreten Kontextes, damals oder heute, gemeingültig ist.

Motivation hin oder her […] geht es darum, welche Resultate man beachten muss. Es muss klar sein, dass wenn ein Staat die Religionsfreiheit einschränkt, weil Gottesdienste eher als Veranstaltung gesehen werden, dass das zum einen einiges über die heutige Gesellschaft aussagt und zum anderen schnell dazu führen kann, dass es bei anderer Gelegenheit sehr unangenehme Eingriffe gibt, weil man das Glaubensleben der Christen nicht Ernst nimmt. Die staatliche Ordnung, wenn auch von Gott eingesetzt, wird nicht immer nach Gottes Willen handeln. Diese Spannung müssen viele Christen aushalten. Die Frage ist aber: Wie viel lässt man passiv über sich ergehen oder wo gestaltet man die Gesellschaft als Christ mit?

Person C:

Ich finde, dass hier Fragen aufgeworfen werden und keine Antworten folgen. „Müssen wir mehr tun als uns unterzuordnen, zu beten und zu lieben?“ Was sagt die Schrift denn dazu? Sagt sie, dass wir mehr tun sollen? Und warum ist jeder, der gehorsam Römer 13 befolgt, nun blind, materialistisch und apathisch? Vielleicht ist es auch die lebendige Hoffnung, die viele Christen nicht zum Handeln treibt, weil sie wissen, dass Verfolgung etc. kommen wird?

Person B:

Es ist wichtig zu bedenken, dass hier lediglich ein offener Gedankenaustausch stattfindet, damit man sich rechtzeitig Gedanken um die Entwicklungen macht. Nirgends wird zu einem konkreten Schritt aufgerufen, der der Bibel widerspricht.

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